Die Klimakrise ist eine Glaubenskrise

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Die Klimakrise ist eine Glaubenskrise

Die Klimakrise ist eine Glaubenskrise.

 

 

Sie ist eine Krise der Wahrnehmung, der Imagination. Eine Krise, die wir nicht glauben, die wir nicht fühlen. Wir können uns kaum ausmalen, was der Klimawandel anrichten wird. Deshalb handeln wir nicht.

Es liegt nicht daran, dass wir nicht handeln können. Ein Virus zeigt uns aktuell, dass wir handlungsfähig sind, wenn wir die Krise glauben. Die Gesellschaft ist fähig, auf Gefahrensituationen angemessen zu reagieren und zu handeln – wenn die Gefahr eindeutig als solche erkannt wird.

I. Wann aber erkennen wir eine Gefahr als solche an?

Wir Menschen sind durch unsere verhaltens-biologischen Entwicklung so gepolt, dass wir auf direkte und unmittelbare Gefahren sofort und schnell reagieren. Was wir im Gegenzug leider weniger gut können, ist vorausschauend zu handeln und damit weit in der Zukunft liegende oder indirekte Gefahren abzuwehren. Wir fliehen aus einem brennenden Haus oder retten andere daraus. Wenn aber Greta Thunberg Our house is on fire! sagt, verstehen wir dies zwar, aber diese Gefahr ist immer noch abstrakt für uns. Wir fühlen sie nicht. Sie ist nicht unmittelbar genug. Deshalb reagieren wir darauf nicht in der notwendigen Art und Weise.

Dass wir reagieren können, zeigt sich momentan sehr gut daran, wie wir auf die Corona-Krise reagieren. Die Klimakrise ist somit eine Glaubenskrise.

Heute ist Earth Day

Der Autor Jonathan Safran Foer berichtet zu Beginn seines Buches Wir sind das Klima! über den zweiten Weltkrieg und zeigt darin auf, inwieweit die Menschheit sich ändern und Einschränkungen hinnehmen kann, wenn sie sich einer Krise bewusst ist, wenn die Menschen glauben und wirklich wahrnehmen, dass sie sich in einer außergewöhnlichen Gefahrensituation befinden. Wir erleben exakt dasselbe gerade mit der Corona-Krise.

Wir sehen, erleben und fühlen, wie sehr man sich in einer Krise einschränken kann und auch muss. Wir werden zu den Einschränkungen teilweise verpflichtet, zum großen Teil nehmen wir diese aber hin oder begrüßen sie sogar, weil wir wissen, dass sie sinnvoll sind. Warum fällt es uns als Einzelpersonen im Gegensatz dazu so schwer, unser Verhalten in Bezug auf die Klimakrise zu ändern? Warum schaffen Staaten, die EU und auch die internationale Gemeinschaft so wenig Rahmenbedingungen, die ein ökologischeres Leben leichter möglich machen?

Es bleibt, trotz alledem, die Hoffnung, dass sich die Corona-Krise positiv auf unser Denken und unsere Wahrnehmung auswirken wird. Bisher hat diese Krise sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf Umweltschutz und Klima. Einerseits sind weit weniger Flugzeuge in der Luft als zuvor und der Verkehr hat allgemein stark abgenommen. Andererseits wird vielerorts geplant Umweltauflagen abzuschwächen, um die kränkelnde Wirtschaft wieder zu stärken und in Brasilien wird aktuell so viel Regenwald abgeholzt wie schon lange nicht mehr.

II. Was gilt jetzt zu tun?

Da wir einzeln z.B. auf die brasilianische Regierung wenig Einfluss haben, brauchen wir die Kraft vieler Individuen, die gemeinsam stark sein können. Jeder Einkaufszettel ist ein Stimmzettel. Damit haben wir in unserer Rolle als Verbraucher eine große Macht. Lasst uns diese Macht gemeinsam nutzen. Durch unser Konsumverhalten haben wir indirekt Einfluss auf die Abholzung des Regenwaldes. Wir bestimmen z.B. über unseren Fleischkonsum mit, wie viel Regenwald für neue Sojaplantagen weichen muss. 17 Mio. Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland reichen nicht aus um den Verbrauch in Deutschland zu decken – über 5 Mio. Hektar werden im Ausland in Anspruch genommen, ca. die Hälfte davon in Südameria.

Nutztierhaltung ist für ca. 90% der Abholzungen in der Amazonasregion verantwortlich. Das hat die doppelte Auswirkung. Zum einen wird durch mehr Viehzucht mehr Methan ausgeschieden und zum anderen wird durch den geringer werdenden Regenwald auch weniger des CO² absorbiert. Allein in Europa entstehen 9-12% der Treibhausgase durch die Erzeugung tierischer Produkte in der Landwirtschaft.

Natürlich müssen sich auch andere Bereiche unseres Lebens ändern, aber die Ernährung ist der Part, mit dem jeder für sich sofort beginnen kann. In unserem Challenge-Heft schreiben wir sowohl über eine klimabewusste Ernährung, als auch über andere relevante Themen: Energie, Mobilität, Wasser und Zero Waste und geben Tipps zu einem nachhaltigeren Lebensstil.

Es kann uns gemeinsam gelingen, langfristig bewusster, achtsamer und nachhaltiger und somit auch fairer zu leben – fairer auch im Hinblick auf kommende Generationen aber auch in Hinsicht auf benachteiligte Menschen, Regionen und Länder. Wir alle leben auf dieser einen Welt – und eine zweite haben wir alle nicht. Das müssen wir noch glauben lernen.

Auch wenn es es sich manche anders wünschten, wir haben nur einen Planeten.

Wir brauchen jetzt eine Wirtschaft, die nicht die Welt kostet. Wir brauchen ein grünes, ökologisches – ein nachhaltiges Wirtschaftskonzept. Wir können auch positive Spuren auf dieser Welt hinterlassen.

Die Klimakrise ist eine Glaubenskrise. Seht ihr das auch so? Warum fällt es so schwer auf die Klimakrise angemessen zu reagieren? Warum unterstützen nicht mehr Menschen nachhaltige Unternehmen?

Schreibt uns eure Meinung in den Kommentaren.

Quellen:

 

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